... Osteuropa, das Land hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen ... ?

Nein, sicher nicht. Erstens gibt es viel mehr als sieben Berge und somit unzählige Kurven, Kehren und Kilometer. Und zweitens mehr als sieben Länder - es sind deren 11. Die sind so interessant, dass ich sie Tourenfahrern und Reiseenduristen näher bringen möchte.

Los geht es in Tschechien. Gleich hinter der Grenze gibt es mehr als ´´Pivo´´ und ´´Knedlitschki´´. Da gibt es den bezaubernden Böhmerwald, die wildromantische Ottawa oder das Riesengebirge.

Auf dem Weg in die Slowakei erleben wir nicht minder schöne Straßen und Kurven. Dort angekommen, geht es gleich mal quer durch die Berge in Richtung Europas Mittelpunkt. Eine Passquerung von über 20 km Länge folgt, da werden einem nicht nur die Bremsen warm.

Von der Grenze Ungarns bis nach Rumänien, dem Land des Grafen Dracula, sind es runde 250 km. An Puzta und Plattensee geht es recht schnell vorbei. Sorry, bin halt kein Ungarn- Fan.

An der Grenze von Rumänien angekommen, läuft vieles etwas anders, zum Beispiel die Uhr: Die müssen wir eine Stunde vorstellen. Trotzdem scheint die Zeit ab hier in Zeitlupe zu laufen. Wirklich fast alles geht hier ruhiger und langsamer von statten. Mitunter auch die Grenzformalitäten. Einige neureiche Osteuropäer versuchen zwar, mit ihren großen und schnellen Limousinen, Zeit wieder gut zu machen, doch der Zustand der Strassen verhindert das oft. Selbiger liegt nicht immer auf dem höchsten Standard, ist aber mit Tourenmotorrädern zu meistern. Vorsicht ist jedoch immer angesagt.

Für Rumänien und die folgenden Länder gibt es von mir spezielle Touren für Reiseenduros, damit die unbefestigten Pisten nicht ungenutzt bleiben. Denn was ist schon ein betagtes 5-Sterne-Hotel, wenn ein 10.000-Sterne-Hotel doch viel romantischer ist?

In Rumänien kann ich Euch so viele Ecken und Strecken zeigen, da kommt bestimmt jeder auf seine Kosten. Ob das die Schlucht am Lacu Rosu ist, eine Hochgebirgsdurchfahrt von gut 90 km Länge oder der höchste befahrbare Punkt. Und mit etwas Glück sehen wir vielleicht auch wilde Bären oder Wölfe.

Der Grenzübertritt nach Bulgarien ist nicht weniger spektakulär. Nach dem Eintreffen der Fähre gefragt, die einen über die Donau bringen soll, lautet die Antwort nur: ``Non stop, non stop ...!``. Das kann dann 10 Minuten oder aber auch mal 5 Stunden bedeuten. Zeit genug für ein Päuschen.

In Bulgarien fängt meine Tour an der Felsenburg von Belogratschik an. Sehr imposant, besonders bei schönem Wetter. Später im Rilagebirge besuchen wir das Rila- Kloster. Dann folgen noch mehr Schluchten und Pisten.

Langsam, aber merklich erreichen wir orientalisch geprägte Landschaft: wir sind in Mazedonien angekommen. Beim Campieren in der Wildnis auf ca. 1700 m über NN wird klar, das hat sich gelohnt.

Für das nächste Land gilt: nur für Reiseenduros. Denn es soll ja Spaß machen.

Albanien. Hier könnte nun wirklich der Spruch ``Land hinter den sieben Bergen ...`` zutreffen. Ein Land, das vor noch nicht einmal 90 Jahren mit das rückständigste in Europa war. In den nördlichen Bergen herrschte bis vor 60 Jahren noch das Gesetz der Blutrache. Unten, ganz im Süden, kündet das Amphitheater vom ehemaligen Glanz dieses Landstriches. Ganz in der Nähe befindet sich das ``Magic Eye``. Eine Quelle, von der bis heute niemand genau weiß, wie tief sie ist.

An der so genannten ``Albanischen Riviera`` angekommen, erscheint in der Ferne die griechische Insel Korfu. Nach traumhaften Kilometern entlang der Küste folgt der ``Hitzetest``. Es geht von Meeresspiegelniveau auf weit über 1000 m. Der Belag ist neu, die Streckenführung berauschend. Weiter nordwärts geht es in Richtung ``Via Egnatia``, der alten Heerstraße zwischen Rom und Konstantinopel. Auch hier gilt es, ein paar Passstraßen der Superlative zu bezwingen. Das eigentliche Abenteuer beginnt aber erst jetzt. Es geht rein in die Berge. Also Stollen frei und Spaß dabei!

Vor dem Grenzübertritt nach Serbien-Montenegro geht es dann noch mal gepfeffert in die Berge hinein.

Serbien-Montenegro (Ex-Jugoslawien) ist ein Traum für Reiseenduristen, der mit der Querung des Lovien-Passes oder der Tour von Podgorica in Richtung Norden und wieder Richtung Südwest zurück in Erfüllung geht.

In Kroatien angekommen, erreichen wir alsbald die ``Perle der Adria``, Dubrovnik. Nach kurzem Gastspiel geht es über kleine Nebenstraßen nach Mostar, der weltbekannten Stadt in

Bosnien-Herzegowina. Die sollte ein Biker sich wahrlich nicht entgehen lassen. Sie hat ein unvergessliches Flair und ist Weltkulturerbe. Nun habt Ihr die Wahl. In Bosnien- Herzegowina und seiner fantastischen Bergwelt mitsamt den Passstraßen bleiben oder zurück nach Kroatien, wo neben dem täglichen Bad in der Adria auch ein Kurvenrausch dem anderen folgt. Egal wie Ihr Euch entscheidet, ein Besuch der berühmten Plitvitzer Seen sollte drin sein. Hier wurden viele Szenen der berühmten Karl-May-Filme gedreht. An der Rennstrecke von Rijeka vorbei geht es nun nach

Slowenien. Auch hier haben wir viele Möglichkeiten, uns die Stollen abzuwetzen. Zu guter Letzt geht es noch einmal hoch hinaus. Denn oben im Norden warten die Julischen Alpen auf uns. Schließlich sind wir hier schon in guter Nachbarschaft mit Italien und Österreich. Doch das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte. Und so schließt sich hier der Kreis um Osteuropa. Nicht alles konnte beschrieben werden, aber vielleicht habe ich in Euch den Wunsch nach mehr geweckt.